Gustav Fischer zugeschriebene gefälschte Meerschaumpfeife
Die Geschichte einer seit Mitte der 1990er Jahre immer wieder bei Auktionen und auf Online-Marktplätzen auftauchenden, mit der Signatur Gustav Fischer versehenen Gusspfeife, die nicht einmal aus Meerschaum besteht, sowie die Merkmale, die sie entlarven.
Etiketler:
sahte pipo, lüle taşı, reçine, koleksiyon
Güncelleme Tarihi:
27. Juli 2026
Die Gustav Fischer zugeschriebene gefälschte Meerschaumpfeife gilt als einer der langlebigsten und am weitesten verbreiteten Fälschungsfälle im Antik-Pfeifensammeln. Dieses Stück mit tanzenden Paaren im Kopf, dunkelrotbrauner Färbung und einem Metallring am Schaft taucht seit Mitte der 1990er Jahre immer wieder auf. Es handelt sich nicht um ein Einzelstück, sondern um zahlreiche Kopien aus derselben Form; obwohl sie in Katalogbeschreibungen meist als Meerschaum bezeichnet werden, ist die Pfeife weder aus Meerschaum noch aus einer der bekannten imitierten Steinzusammensetzungen jener Zeit.
Der Beginn des Verdachts
Den Aufzeichnungen zufolge wurde das Stück erstmals im Oktober 1994 einem Experten vorgelegt: Ein Londoner Auktionshaus schickte ein Foto der Pfeife und bat um Auskunft über den Hersteller. In der Korrespondenz hieß es, die Pfeife sei aus Bernstein geschnitzt, im Kopf trage sie die Signatur „Gustav Fisher Jnr“, im Mundstück „Gustav Fisher, Vienna, Exposition 1873“. Nach der Prüfung wurde das Stück nicht zum Verkauf angeboten. Erstmals mit Abbildungen in gedruckten Quellen gezeigt wurde das Stück in Ben Rapaports 1999 bei Schiffer Publishing erschienenem Buch Collecting Antique Meerschaum Pipes: Miniature to Majestic Sculpture.
Widersprüche in der Signatur
Das eigentliche Detail, das die Fälschung verrät, ist die Signatur selbst. Zunächst ist der Nachname falsch geschrieben: Der in Boston tätige Schnitzer hieß Gustav Fischer, nicht „Fisher“; dass ein Meister seinen eigenen Namen falsch graviert, ist nicht zu erwarten. Auch die Sprache der Inschrift ist widersprüchlich. Ein in Österreich geborener Schnitzer hätte einen Verweis auf die genannte Ausstellung auf Deutsch angebracht, etwa „Wien Ausstellung 1873“; die englische Formulierung verstärkt den Eindruck, die Signatur sei nachträglich erfunden worden. Die Ausstellung selbst ist real – die am 1. Mai 1873 eröffnete Weltausstellung 1873 Wien –, doch das allein bestätigt nicht die Echtheit der Signatur.
Der Zusatz „Jnr“ bringt die Chronologie vollends durcheinander: Der gleichnamige Sohn wurde 1887 in Manhattan geboren und arbeitete ausschließlich mit Briar, sodass sein Name auf einer Pfeife mit Bezug zur Ausstellung von 1873 unmöglich vorkommen kann. Schließlich ließ Gustav Fischer sen. den Aufzeichnungen zufolge seine Pfeifen meist unsigniert. Der Name des zwischen 1847 und 1937 lebenden Meisters wurde im Laufe der Jahre auch anderen antiken Meerschaumstücken zugeschrieben, die er nie berührt hatte; in Katalogtexten wurden ihm Arbeiten zugeordnet, die nicht von ihm stammten.
Material und Verarbeitung
Die meisten selbst auf Fotos erkennbaren Merkmale liegen im Material. Der Kopf ist nicht geschnitzt, sondern gegossen; die verlaufende Gussnaht ist mit bloßem Auge sichtbar. Auch die Farbe ist keine durch Rauchen entstandene Patina: Das Stück erhielt von Anfang an einen dunkelroten Ochsenblutton, während aus der Hand des Meisters stammende Pfeifen milchweiß herauskommen und ihre Farbe erst mit der Zeit annehmen. Die Schnitzerei ist grob, die Details bleiben schwach. Das Mundstück besteht nicht aus Bernstein oder aus gepresstem Amberoid aus Bernsteinsplittern, sondern schlicht aus Kunststoff; diese Unterscheidung wird im Artikel Mundstückmaterialien ausführlich behandelt. Der Ring am Schaft besteht statt aus Silber oder Gold aus einer gegossenen Zinklegierung. Es wird angenommen, dass die Masse Epoxidharz, Gießharz oder hochfester Gips sein könnte; die Rolle dieser Materialien in der Pfeifenherstellung wird im Artikel Hydrostone- und Harzpfeifen behandelt.
Verbreitung und Lehre
Seit Mitte der 2000er Jahre ist dieselbe Pfeife wiederholt bei Auktionen in England, Frankreich und den USA, auf Online-Marktplätzen und auf Bilderplattformen aufgetaucht. Manche Kataloge bezeichnen das Stück offen als „Kopie“, andere listen es als antike Meerschaumpfeife aus dem späten 19. Jahrhundert; es gibt auch Anzeigen, in denen das Material gar nicht angegeben wird. Der Hersteller konnte bis heute nicht ermittelt werden. Die eigentliche Lehre, die dieser Fall für Sammler bereithält, ist, dass eine Signatur allein nicht als Beleg gelten kann: Die Überprüfung beginnt beim Material, bei der Verarbeitung und bei der historischen Stimmigkeit. Für ein vergleichbares Beispiel auf der Briar-Seite siehe den Artikel Gefälschte Dunhills der 1980er Jahre.
Künye
İmza:
Haznede "Gustav Fisher Jnr", ağızlıkta "Gustav Fisher, Vienna, Exposition 1873"
İlk Kayıtlı İnceleme:
Ekim 1994, bir müzayede evinin sorusu üzerine
Konu:
Gustav Fischer imzalı sahte antika pipo
Malzeme:
Kalıba dökülmüş yoğun kütle (reçine ya da alçı esaslı), plastik ağızlık
Üreticisi:
Bilinmiyor
Dolaşım:
1990'lardan bugüne müzayedeler ve çevrimiçi pazarlar
İlgili Maddeler
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Damga ve İşaretler
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Kaynaklar
Pipedia — Artikel A Pseudo-Meerschaum Pipe Attributed to Gustav Fischer
Ben Rapaport — Collecting Antique Meerschaum Pipes (Schiffer Publishing, 1999; ISBN 0-7643-0765-7)
Open Library — Katalogeintrag zu Collecting Antique Meerschaum Pipes
Wikipedia — Artikel 1873 Vienna World's Fair (Weltausstellung 1873 Wien)
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