Porträts auf Pfeifen: Anführer, Berühmtheiten und Legenden
Eine Gedenkpfeifentradition, in der Meister aus Ton, Sepiolith (Meerschaum), Holz und Porzellan Herrscher, Politiker, Künstler und Märchenfiguren in den Pfeifenkopf einarbeiteten.
Etiketler:
pipo tarihi, figüratif pipo, oymacılık, koleksiyon
Güncelleme Tarihi:
26. Juli 2026
Auf Pfeifen dargestellte Porträts bezeichnen eine breite Fertigungstradition, in der die Tabakpfeife nicht nur als Rauchgerät, sondern auch als Erinnerungsobjekt diente. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts brachten Meister aus Ton, Sepiolith (Meerschaum), Holz und Porzellan die Gesichter von Politikern, Militärs, Herrschern, Schriftstellern und Komponisten in den Pfeifenkopf; auch Figuren aus Mythologie und Volksmärchen fanden dasselbe Interesse. Bei lebenden oder kürzlich verstorbenen Personen lag dem Meister meist eine Medaille, ein Stich oder eine Fotografie als Vorlage vor. Bei Legendenfiguren ohne bekanntes Gesicht war das Kriterium nicht Ähnlichkeit, sondern Wiedererkennbarkeit: wenige Zeichen wie Krone, Helm oder Weinranke genügten, um deutlich zu machen, wer dargestellt war.
Wahlkampf- und Erinnerungsporträts auf Tonpfeifen
Die Tonpfeife war billig, ließ sich mit Formen vervielfältigen und bei Bruch leicht ersetzen; deshalb finden sich die zahlreichsten Porträtversuche in diesem Material. In der Fachliteratur wird ein solcher Kopf als „figürliche Pfeife" oder „Gesichtspfeife" bezeichnet; im 19. Jahrhundert vervielfachten sie sich so stark, dass sie im Markt für billige Souvenirs eine eigene Kategorie bildeten. Als bekanntester Name auf diesem Gebiet gilt Gambier, einer von mehreren Tonpfeifenherstellern, die Mitte des Jahrhunderts in der französischen Stadt Givet arbeiteten; den Aufzeichnungen zufolge fanden sich unter den über hundert Kopfformen Namen wie Königin Victoria, Napoleon, Rembrandt, Victor Hugo und Niccolò Paganini. In den Vereinigten Staaten werden während Präsidentschaftswahlkämpfen verteilte Tonpfeifen in der archäologischen Literatur als eigene Gattung behandelt: Exemplare mit Ähnlichkeit zu William Henry Harrison, Millard Fillmore, Franklin Pierce, James Buchanan und Abraham Lincoln sind belegt. Derselben Literatur zufolge wurde eine dieser Pfeifen 1994 bei Ausgrabungen in Poplar Forest, Virginia, aus dem Boden geborgen.
Geschnitzte Porträts aus Sepiolith, Holz und Porzellan
Sepiolith (Meerschaum) nimmt feine Details gut an und wurde so zum Hauptmaterial der Porträtschnitzerei; für das damalige Schnitzrepertoire siehe den Artikel Geschnitzte Meerschaumpfeifen des 19. Jahrhunderts. Die meistgenannte Serie ist die Büstenreihe der New Yorker Firma William Demuth, die nacheinander die US-Präsidenten in Meerschaum abbildete; überliefert wird, dass die Idee aus zwei Pfeifen entstand, die 1881 Präsident James A. Garfield geschenkt wurden. Von dem in Boston tätigen Gustav Fischer Sr. wird berichtet, er habe neben Motiven wie Mephistopheles, Buffalo Bill und Johanna von Orléans auch das berühmte Rennpferd Directum jener Zeit geschnitzt. Bei Porzellanköpfen wurde das Porträt in der Regel nicht geschnitzt, sondern als Abziehbild aufgebracht. In Holz lebt die Porträtarbeit bis heute fort. In Frankreich soll Roger Vincent aus Wurzelholz (Briar) Büsten von Jules Verne, Mozart, Shakespeare und Victor Hugo geschnitzt haben, während der ukrainische Schnitzer Max Bogdan seit 2018 Figuren aus zeitgenössischem Kino und zeitgenössischer Politik bearbeitet; beide gelten als heutige Fortsetzung derselben Tradition. Eine Liste der mit der Pfeife identifizierten Persönlichkeiten findet sich im Artikel Berühmte Pfeifenraucher.
Reineke Fuchs: Die Pfeifenkarriere des listigen Fuchses
Auch bei der Schnitzerei von Pfeifen- und Zigarrenspitzen wurden häufig Tierköpfe verarbeitet; darunter konzentrierte sich die breiteste Produktion auf den Fuchs. Ein Grund dafür ist, dass der Fuchs hier nicht bloß ein Tier ist, sondern eine literarische Figur mit Namen und Geschichte. Der Ursprung des Stoffes reicht zum Roman de Renart zurück, dessen älteste Zweige um 1174 Pierre de Saint-Cloud zugeschrieben werden. 1481 übertrug William Caxton die Geschichte ins Englische; 1498 druckte der Lübecker Drucker Hans van Ghetelen das mit 89 Holzschnitten geschmückte niederdeutsche Reynke de vos. Johann Christoph Gottsched veröffentlichte 1752 eine Prosabearbeitung; Goethe schrieb 1793 ausgehend von diesem Text seinen zwölfgesängigen Versroman Reineke Fuchs, der 1794 erschien. Die eigentliche Quelle für die Schnitzer war jedoch die 1846 in Stuttgart gedruckte illustrierte Ausgabe: Die sechsunddreißig großen Tafeln und zahlreichen Vignetten, die Wilhelm von Kaulbach (1805–1874) für diesen Band schuf, bildeten ein visuelles Repertoire, an dem sich Meerschaum- und Holzschnitzer über Jahrzehnte orientierten. So wurde der Fuchs zu einem eigenständigen Pfeifenmotiv, das sich an der Bildsprache eines einzigen Buches ausrichtete und jahrzehntelang wiederholt wurde.
Künye
Malzemeler:
Kil, lüle taşı, ahşap, porselen
Bugünkü Durumu:
Sipariş usulü çalışan tekil oymacılarda sürüyor
Coğrafya:
Fransa, Almanya, ABD
Dönem:
19. yüzyıl ağırlıklı, günümüze uzanan
Dönüm Noktası:
Kaulbach'ın 1846 tarihli Reineke Fuchs çizimleri
Konular:
Hükümdarlar, siyasetçiler, yazar ve besteciler, mitoloji ve masal figürleri
İlgili Maddeler
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Damga ve İşaretler
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Kaynaklar
Pipedia — Artikel Leaders, Luminaries, and Legends—Real and Imagined—Commemorated on Pipes
Wikipedia (Englisch) — Artikel Reynard the Fox
Wikipedia (Deutsch) — Artikel Reineke Fuchs
Wikipedia (Französisch) — Artikel Roman de Renart, Abschnitt zu Datierung und Autorschaft
Wikipedia (Englisch) — Artikel Wilhelm von Kaulbach
Wikipedia (Französisch) — Artikel Givet, Abschnitt zur Tonpfeifenherstellung des 19. Jahrhunderts
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