Der anrüchige Zweig der Tobacciana: Erotische Tabaksammlungen
Ein historischer Blick auf den Teilbereich der Tobacciana, der Objekte rund um den Tabak sammelt und dabei erotische und anrüchige Bildmotive trägt. Eine Fallstudie, die von Werbekarten über Pfeifen mit Stanhope-Linse bis zu geschnitzten Pfeifenköpfen reicht.
Etiketler:
tarih, kültür, koleksiyon, tobacciana
Güncelleme Tarihi:
26. Juli 2026
Tobacciana ist der Name für den Sammelbereich von Objekten, die rund um Tabak und das Rauchen entstanden sind. Pfeifen und Stopfer, Schnupftabakdosen, Zigarrenschneider und -bänder, Tabakdosen, Streichholzschachteln, Dosenetiketten, Plakate und Werbedrucke bilden das Alltagsmaterial des Bereichs. Innerhalb dieses breiten Repertoires gibt es einen Zweig, den Forscher gesondert behandeln: Objekte, die von der Andeutung bis zur offenen Darstellung reichende erotische oder anrüchige Bildmotive tragen. Der folgende Artikel fasst diesen Zweig als historisches Phänomen zusammen; er enthält weder Abbildungen noch eine ausführliche Beschreibung der Objekte.
Sexuelle Bildmotive in Werbung und Druck
Im letzten Viertel des Jahrhunderts machten Tabakunternehmen die Darstellung ihrer Produkte zusammen mit weiblichen Figuren zu einer festen Werbemethode. In den Vereinigten Staaten begannen die Zigarettenpackungen beiliegenden Bildkarten 1879 mit Allen & Ginter; in den ersten Serien standen Porträts von Theaterschauspielerinnen, Boxern und Baseballspielern, Stammesoberhäupter, Flaggen und wilde Tiere nebeneinander. Auch Zigarrenkistenetiketten und Wandplakate griffen auf dasselbe Repertoire zurück, oft in freizügigerem Stil. Die bildende Kunst der Epoche griff diese Verbindung auch unabhängig davon auf: Der belgische Maler und Grafiker Félicien Rops (1833–1898) ist für seine Drucke und Zeichnungen zur erotischen Literatur des 19. Jahrhunderts bekannt; sein Name taucht in Studien zur Stellung der rauchenden Frau in der Ikonografie der Epoche häufig auf.
Das Bild in der Linse
Die in ein Erinnerungsstück verborgene Miniaturfotografie entstand aus der technischen Neugier der Mitte des 19. Jahrhunderts. René Dagron fand 1857 einen Weg, eine Mikrofotografie am Ende einer dünnen, zylindrischen Linse zu befestigen; in dieser Konstruktion, die ihren Namen von der adaptierten Stanhope-Linse trägt, erscheint das Bild vergrößert, sobald man die Linse gegen eine Lichtquelle hält. Die Stücke, die Dagron „fotografisch-mikroskopische Juwelen“ nannte, wurden in Ringe, Elfenbeinfigürchen, Stifte, Nähutensilien und sogar Geigenbögen eingelassen. Die Sammlerliteratur zählt auch Pfeifen, in deren Mundstück oder Schaft eine Linse eingesetzt war, zu derselben Familie; laut derselben Literatur waren einige der Motive statt der üblichen Kirchen-, Denkmal- und Stadtansichten erotischen Szenen entnommen. Das Besondere an dieser Konstruktion war, dass sich das Bild nicht jedem Betrachter des Objekts, sondern nur demjenigen erschloss, der die Linse ans Auge führte.
In Form, Porzellan und Stein
Formguss und Schnitzkunst überließen dem Pfeifenhersteller ein breites Motivrepertoire. Im 19. Jahrhundert wurden geformte Tonpfeifen in vielfältigsten Formen hergestellt, darunter Porträts, Tierfiguren, aktuelle politische Karikaturen und ausdrücklich anrüchige Szenen; in der Literatur zur Tonpfeifenarchäologie wird berichtet, dass die zu dieser letzten Gruppe gehörenden Exemplare von den Zollbehörden eingezogen und vernichtet wurden. Der farbige Transferdruck, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei deutschen Porzellanpfeifenköpfen verbreitete, ermöglichte eine gegenüber dem Handbemalen weit günstigere Vervielfältigung und erweiterte die Bandbreite der behandelten Motive. Meerschaum wiederum wurde wegen seiner Schnitzbarkeit zum wichtigsten Material für figürliche Arbeit; die in europäischen Werkstätten und später in der Eskişehir-Meerschaumschnitzerei fortlebende Tradition figürlicher Pfeifenköpfe zeigte eine Vielfalt, die von klassischen Büsten bis zu erotischen Motiven reichte.
Sammlungen und die Grenzfrage
Die Zusammenstellung solcher Objekte fand zeitweise auch aus politischem Anlass Eingang in die Aufzeichnungen. Als Genrich Jagoda, der 1934–1936 den sowjetischen Geheimdienst NKWD leitete, im März 1937 verhaftet wurde, wurden seine beiden Moskauer Wohnungen sowie sein Landhaus durchsucht; laut einer auf das Durchsuchungsprotokoll gestützten Darstellung wurden 3.904 pornografische Fotografien, 11 Filme sowie 165 anrüchig geschnitzte Pfeifen und Zigarettenspitzen registriert. Zu den Anklagepunkten gegen Jagoda gehörte auch Korruption; im März 1938 wurde er verurteilt und erschossen.
Dass die Pfeife als sexuelles Sinnbild gelesen wird, ist nicht nur ein Anliegen von Sammlern: Sigmund Freud schlug in der Traumdeutung eine Deutung vor, die die Pfeife als formales Gegenstück des männlichen Geschlechtsorgans betrachtete, und diese Lesart wird in der Fachliteratur des Sammelgebiets häufig zitiert. Ob solche Objekte als Kunst oder als anrüchiges Material gelten, ist in Sammlerkreisen bis heute eine offene Streitfrage; der Maßstab geht dabei meist nicht über die eigene Einschätzung des Sammlers hinaus. Ein ähnliches Dilemma findet sich auch in der Rechtsgeschichte: Im Fall Jacobellis v. Ohio von 1964 verzichtete Richter Potter Stewart am Obersten Gerichtshof der USA ausdrücklich darauf, Anstößigkeit zu definieren, und begnügte sich mit der Aussage, er werde sie erkennen, wenn er sie sehe. Der allgemeine Rahmen, wie die Pfeife sich von einem Gebrauchsgegenstand zu einem Schau- und Sammlungsobjekt wandelte, findet sich im Artikel Die Weltgeschichte der Pfeife.
Künye
Başlıca Nesneler:
Pipo, tıkaç, resimli kart, kutu etiketi, hatıralık
Tartışma Ekseni:
Sanat ile müstehcenlik arasındaki sınır
Alan:
Tobacciana (tütün nesneleri koleksiyonculuğu)
Coğrafya:
Batı Avrupa, Kuzey Amerika, Anadolu
Dönem:
19. yüzyıl - günümüz
Dönüm Noktası:
1857 — Dagron'un mikrofotoğraflı Stanhope merceğini geliştirmesi
İlgili Maddeler
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Damga ve İşaretler
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Kaynaklar
Pipedia — Artikel „Tobacciana Exposed: Carnal Collectibles“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Tobacciana“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Stanhope (optical bijou)“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Cigarette card“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Félicien Rops“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Genrikh Yagoda“
Wikipedia (englisch) — Artikel „Jacobellis v. Ohio“
Jukka Gronow, Sergey Zhuravlev — Fashion Meets Socialism (2015)
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